Die Frage, die jeder stellt – und die oft falsch beantwortet wird

„Lohnt sich das noch?" ist die erste Frage, die fast jeder Eigentümer stellt, der über Photovoltaik nachdenkt. Die Antworten, die er dazu findet, schwanken zwischen euphorischem Marketing und pauschaler Skepsis. Beide helfen nicht weiter.

Die ehrliche Antwort lautet: Ja, Photovoltaik lohnt sich 2026 – aber nicht primär wegen der Einspeisevergütung. Der entscheidende Hebel ist der Eigenverbrauch. Wer das versteht, kann selbst rechnen, ob eine Anlage für seine Situation wirtschaftlich sinnvoll ist.

Dieser Ratgeber fasst die wichtigsten Kenndaten zusammen, die wir aus unserer täglichen Praxis als Meisterbetrieb in Pulheim kennen – mit Blick auf NRW, den Rhein-Erft-Kreis und den Großraum Köln/Bonn.

Was eine PV-Anlage 2026 kostet

Die Preise für Photovoltaikanlagen sind seit dem Hochpunkt 2022/23 deutlich gesunken, haben sich aber in den letzten zwölf Monaten auf einem stabileren Niveau eingependelt. Für ein Einfamilienhaus in NRW gilt Stand Juli 2026 folgende Orientierung:

Kostenrahmen Einfamilienhaus (SZP-Richtwerte, Stand Juli 2026)
Anlage ohne Speicher
8.000 – 18.000 €
Anlage mit Speicher
15.000 – 35.000 €
Typische Anlagengröße
10 kWp
Speicher (Faustregel)
10 kWh (= kWp-Wert)
Alle Preise inkl. Installation. MwSt.: 0 % Nullsteuersatz gilt weiterhin (Stand Juli 2026) für Wohngebäude mit bis zu zwei Wohneinheiten. Preisunterschiede entstehen durch Modulqualität, Wechselrichtertyp, Dachkomplexität, Speichergröße und regionale Lohnkosten.

Die Faustregel kWh = kWp (also 10 kWp Anlage, 10 kWh Speicher) hat sich in der Praxis als guter Ausgangspunkt für ein Einfamilienhaus bewährt. Größere Verbraucher wie Wärmepumpe oder Elektroauto sprechen für einen größeren Speicher.

Nullsteuersatz (0 % MwSt.): Seit Januar 2023 gilt für die Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen auf oder in der Nähe von Wohngebäuden (bis zu zwei Wohneinheiten) ein Umsatzsteuersatz von 0 %. Dieser Nullsteuersatz ist weiterhin in Kraft (Stand Juli 2026) und senkt den Gesamtpreis faktisch um ca. 19 % gegenüber dem alten Regelsteuersatz.

Was eine PV-Anlage bringt – Eigenverbrauch ist der Haupthebel

Viele Menschen fokussieren sich auf die Einspeisevergütung und vergleichen sie mit den Investitionskosten. Das ist der falsche Ausgangspunkt. Die Einspeisevergütung nach EEG 2026 liegt für Anlagen bis 10 kWp bei ca. 7,94 Ct/kWh (Volleinspeisung) bzw. 8,11 Ct/kWh (Überschusseinspeisung). Das klingt wenig – und das ist es auch, wenn man es allein betrachtet.

Der eigentliche wirtschaftliche Hebel ist der eingesparte Netzstrom. Jede Kilowattstunde Solarstrom, die direkt im Haus verbraucht wird, ersetzt eine Kilowattstunde aus dem Netz – zum aktuellen Haushaltsstrompreis von ca. 30–38 Ct/kWh. Das ist das Drei- bis Vierfache der Einspeisevergütung.

Eigenverbrauchsanteile in der Praxis

  • Ohne Batteriespeicher: ca. 25–35 % des erzeugten Stroms werden direkt verbraucht. Der Rest wird eingespeist.
  • Mit Batteriespeicher: ca. 70–80 % des erzeugten Stroms werden selbst genutzt. Der Netzstrombezug sinkt erheblich.
  • Mit Wärmepumpe oder E-Auto: Eigenverbrauch kann noch höher liegen, da der Gesamtstrombedarf im Haushalt steigt und der Speicher öfter vollständig entladen wird.

Vereinfacht ausgedrückt: Wer viel Strom zu Hause verbraucht und diesen Verbrauch möglichst in Zeiten mit Solarertrag verschiebt (oder durch einen Speicher puffert), erzielt die höchste Rendite.

Konkrete Beispielrechnung: 10 kWp / 10 kWh in NRW

Die folgenden Werte basieren auf typischen Anlagen, die wir in Pulheim und dem Rhein-Erft-Kreis installieren. Sie sind keine Garantie, sondern realistische Mittelwerte.

Beispielrechnung: 10 kWp + 10 kWh Speicher, NRW (Pulheim / Rhein-Erft-Kreis)
Jährlicher Solarertrag
9.000 – 9.500 kWh
Globalstrahlung Region
1.000 – 1.050 kWh/m²/a
Eigenverbrauch (mit Speicher)
ca. 70–80 %
Selbstgenutzter Strom/Jahr
ca. 6.500–7.500 kWh
Ersparnis Netzstrom/Jahr
ca. 1.950–2.850 €
Einspeiseerlös/Jahr
ca. 130–250 €
Gesamtvorteil/Jahr
ca. 2.100–3.100 €
Amortisationszeit
10–14 Jahre
Annahmen: Strompreis 32 Ct/kWh, Investition ca. 22.000 € (Mitte der Preisspanne), Anlagenausrichtung Süd bis Süd-West, keine Verschattung. Lebensdauer Module: 30+ Jahre. Die Betriebskosten (Wartung, Versicherung) sind mit ca. 0,5–1 % der Investitionssumme pro Jahr gering. Nach Amortisation ist der erzeugte Strom faktisch kostenfrei.

Die Amortisationszeit von 10–14 Jahren bei einer Lebensdauer von 30 und mehr Jahren bedeutet: Der überwiegende Teil der Anlagennutzung ist Strom ohne Grenzkosten. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem Konsum, bei dem jede Kilowattstunde dauerhaft bezahlt werden muss.

Was sich 2026 geändert hat

Solardachpflicht NRW (§ 42a BauO NRW)

Seit dem 1. Januar 2026 ist die letzte Ausbaustufe der Solardachpflicht in Nordrhein-Westfalen in Kraft. § 42a der Landesbauordnung NRW verpflichtet bei bestimmten Neubauvorhaben sowie bei wesentlichen Dachsanierungen zur Installation einer Photovoltaikanlage. Die genauen Voraussetzungen (Gebäudetyp, Bauart des Vorhabens, Ausnahmetatbestände) sollten im Einzelfall mit dem zuständigen Bauamt oder einem Fachbetrieb geklärt werden.

Für den Bestand gilt die Pflicht nicht rückwirkend. Sie erzeugt jedoch einen faktischen Handlungsdruck bei anstehenden Dacharbeiten und Sanierungen – und ist ein weiterer Grund, eine bereits geplante Anlage nicht weiter aufzuschieben.

EEG 2026: Einspeisevergütung

Die Einspeisevergütung nach EEG 2026 wurde erneut regulär degressive fortgeschrieben. Für neu in Betrieb genommene Anlagen bis 10 kWp gelten Stand Juli 2026 folgende Sätze:

  • Volleinspeisung: ca. 7,94 Ct/kWh
  • Überschusseinspeisung: ca. 8,11 Ct/kWh

Diese Vergütung wird 20 Jahre lang ab Inbetriebnahme garantiert. Sie ist kein Renditetreiber, aber sie liefert einen verlässlichen Sockelertrag für den Strom, der trotz Speicher nicht selbst verbraucht werden kann.

Nullsteuersatz (0 % MwSt.) – weiterhin gültig

Der Nullsteuersatz auf die Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden gilt unverändert weiter (Stand Juli 2026). Für Käufer bedeutet das eine direkte Preissenkung gegenüber dem früheren 19 %-Satz – ein Vorteil, der im Gesamtpreis bereits eingerechnet sein sollte, wenn Angebote eingeholt werden.

Für wen lohnt es sich besonders?

Photovoltaik ist keine universelle Lösung mit identischem Ergebnis für jeden. Die Wirtschaftlichkeit hängt stark von der individuellen Situation ab. Die folgenden Szenarien zeigen, wo die Rechnung besonders gut aufgeht.

Einfamilienhaus mit hohem Grundverbrauch

Wer dauerhaft 4.000 kWh und mehr pro Jahr im Haushalt verbraucht (typisch für größere Familien oder ältere Haustechnik), profitiert überproportional, weil mehr Eigenverbrauch möglich ist. Solarstrom muss nicht eingespeist werden, sondern ersetzt teuren Netzstrom.

Elektroauto

Ein Elektroauto ist einer der effizientesten Eigenverbrauchsmultiplikatoren. Wer sein Fahrzeug tagsüber oder über einen Speicher mit Solarstrom lädt, senkt die Ladekosten von ca. 30–38 Ct/kWh (Netzstrom) auf nahezu 0 Ct/kWh (Solarstrom). Bei einem Jahresverbrauch von 3.000–4.000 kWh für das Fahrzeug ist das ein erheblicher Hebel.

Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe erhöht den Gesamtstromverbrauch eines Haushalts um typischerweise 3.000–8.000 kWh pro Jahr – je nach Haus und Heizlast. In Kombination mit einer PV-Anlage und einem Speicher kann ein erheblicher Teil davon selbst gedeckt werden, insbesondere in der Übergangszeit (März–Mai, September–Oktober).

Eigenheim mit südlicher Dachausrichtung in NRW

In Pulheim und dem Rhein-Erft-Kreis liegt die Globalstrahlung bei ca. 1.000–1.050 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Das ist solide – nicht so gut wie Süddeutschland (1.100–1.300 kWh/m²), aber ausreichend für wirtschaftliche Anlagen. Eine südliche bis südwestliche Ausrichtung mit möglichst wenig Verschattung ist ideal, aber auch Ost-West-Aufteilungen sind technisch gut lösbar.

Häufige Missverständnisse

In Beratungsgesprächen begegnen uns dieselben Einwände immer wieder. Hier sind die häufigsten – und warum sie so nicht stimmen.

Missverständnis

„PV lohnt sich heute nicht mehr, weil die Einspeisevergütung so niedrig ist."

Richtig

Die Einspeisevergütung ist tatsächlich niedrig – ca. 8 Ct/kWh. Aber die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage hängt nicht primär davon ab. Der entscheidende Hebel ist der Eigenverbrauch: Selbst genutzter Solarstrom spart Netzstrom zu ca. 30–38 Ct/kWh. Das ist das Drei- bis Vierfache der Vergütung. Mit einem Batteriespeicher werden 70–80 % des Solarstroms selbst genutzt. Wer so rechnet, kommt zu einem völlig anderen Ergebnis.

Missverständnis

„In NRW scheint die Sonne zu wenig für Photovoltaik."

Richtig

Der Rhein-Erft-Kreis liegt mit ca. 1.000–1.050 kWh/m²/Jahr im bundesweiten Mittelfeld – deutlich besser als oft angenommen. Eine 10-kWp-Anlage erzeugt hier jährlich ca. 9.000–9.500 kWh. Das reicht für eine wirtschaftlich sinnvolle Anlage. Deutschland gehört zu den Ländern mit den meisten Photovoltaikanlagen weltweit – trotz seiner Lage.

Missverständnis

„Der Batteriespeicher lohnt sich alleine nicht – der Strom reicht direkt."

Richtig

Ohne Speicher fällt der meiste Solarertrag tagsüber an, wenn in Haushalten typischerweise wenig Strom verbraucht wird. Der Eigenverbrauchsanteil bleibt bei ca. 25–35 %. Ein Speicher verschiebt den Solarstrom in den Abend und erhöht den Eigenverbrauch auf 70–80 %. Die Mehrkosten für einen Speicher amortisieren sich dadurch in der Regel innerhalb der Gesamtrechnung – auch wenn er für sich allein betrachtet eine separate Kostenposition darstellt.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet eine Photovoltaikanlage mit Speicher 2026?

Ein Einfamilienhaus-System mit 10 kWp Leistung und 10 kWh Speicher kostet 2026 in NRW typischerweise zwischen 15.000 und 35.000 Euro (brutto, inkl. Installation). Der Nullsteuersatz (0 % MwSt.) gilt weiterhin für Wohngebäude mit bis zu zwei Wohneinheiten. Die Preisspanne hängt von Modulqualität, Wechselrichter, Dachkomplexität und Speicherkapazität ab.

Wie lange dauert die Amortisation einer PV-Anlage mit Speicher?

Für ein Einfamilienhaus mit 10 kWp und 10 kWh Speicher in NRW liegt die Amortisationszeit bei 10 bis 14 Jahren – bei einer technischen Lebensdauer der Module von 30 Jahren und mehr. Die restliche Nutzungsdauer ist faktisch kostenfreie Stromerzeugung.

Wie viel Eigenverbrauch erreiche ich mit einer Solaranlage?

Ohne Batteriespeicher liegt der Eigenverbrauchsanteil typischerweise bei etwa 25–35 % des erzeugten Stroms. Mit einem Batteriespeicher steigt er auf 70–80 %. Selbst genutzter Solarstrom ersetzt Netzstrom zum aktuellen Haushaltstarif von ca. 30–38 Ct/kWh – das Drei- bis Vierfache der Einspeisevergütung.

Wie hoch ist die Einspeisevergütung 2026?

Nach EEG 2026 beträgt die Einspeisevergütung für Anlagen bis 10 kWp ca. 7,94 Ct/kWh bei Volleinspeisung und ca. 8,11 Ct/kWh bei Überschusseinspeisung (Stand Juli 2026). Die Vergütung ist nicht der Haupttreiber der Wirtschaftlichkeit – das ist der Eigenverbrauch mit eingesparten Netzstromkosten von 30–38 Ct/kWh.

Was ist die Solardachpflicht NRW und wen betrifft sie?

§ 42a BauO NRW verpflichtet seit dem 1. Januar 2026 (letzte Ausbaustufe) bei bestimmten Neu- und Umbauvorhaben zur Installation einer Photovoltaikanlage. Die genaue Anwendung richtet sich nach Art des Gebäudes und des Bauvorhabens. Im Bestand ist die Pflicht nicht rückwirkend, schafft aber einen Anlass zur freiwilligen Installation – insbesondere bei anstehenden Dachsanierungen.

Für wen lohnt sich Photovoltaik 2026 besonders?

Photovoltaik lohnt sich 2026 besonders für Eigentümer eines Einfamilienhauses mit hohem Eigenstrombedarf tagsüber oder durch Batteriespeicher. Zusätzlicher Nutzen entsteht durch ein Elektroauto (deutlich günstigeres Laden mit Solarstrom) oder eine Wärmepumpe (ganzjährig hoher Eigenverbrauch). In NRW mit ca. 1.000–1.050 kWh/m² Globalstrahlung sind die Ertragsvoraussetzungen gut.

Wie sieht die Rechnung für Ihr Haus aus?

Jede Immobilie ist anders – Dachfläche, Ausrichtung, Eigenverbrauch und Fördermöglichkeiten variieren. Wir analysieren Ihre Situation kostenlos und ohne Verkaufsdruck.