Wie funktioniert eine Ost-West-Anlage?
Bei einem klassischen Satteldach mit Ost- und West-Ausrichtung werden Module auf beiden Dachflächen montiert. Die Ost-Module nehmen das Morgenlicht auf, wenn die Sonne im Osten aufgeht. Die West-Module übernehmen am Nachmittag und Abend, wenn die Sonne sich dem Horizont im Westen nähert. Rund um die Mittagszeit – wenn die Sonne hoch steht und schräg auf beide Flächen fällt – produzieren beide Seiten gemeinsam, aber mit reduzierter Leistung gegenüber einer direkt besonnten Südfläche.
Das Ergebnis ist ein charakteristisches Doppelgipfel-Ertragsprofil: ein kleinerer Peak morgens und ein zweiter am Nachmittag. Das klingt zunächst nach einem Nachteil – ist aber genau das, was viele Haushalte brauchen: Strom dann, wenn er gefragt ist.
Das schematische Diagramm zeigt: Eine Süd-Anlage hat ihren Spitzenertrag konzentriert um die Mittagszeit. Eine Ost-West-Anlage verteilt den Ertrag gleichmäßiger über den Tag. Morgens produziert die Ost-Seite, abends die West-Seite – das deckt sich deutlich besser mit typischen Haushaltsverbrauchsprofilen.
Ertrag im Vergleich: Süd vs. Ost-West
Der meistgestellte Einwand gegen Ost-West-Anlagen ist der geringere Jahresertrag. Das stimmt – aber der Unterschied ist überschaubar und wird oft überschätzt.
| Merkmal | Südausrichtung | Ost-West-Ausrichtung |
|---|---|---|
| Jahresertrag (Richtwert 10 kWp, Pulheim/NRW) | ca. 9.000–10.000 kWh | ca. 7.500–8.500 kWh |
| Differenz zum Süddach | – | ca. –15 bis –20 % |
| Tagesertragsprofil | Mittagsspitze (konzentriert) | Gleichmäßig Morgen + Abend |
| Eigenverbrauch ohne Speicher | ca. 25–30 % | ca. 30–35 % |
| Anteil an SZP-Installationen | ca. 40 % | ca. 60 % |
| Wechselrichter-Anforderung | 1 MPP-Tracker ausreichend | Mind. 2 MPP-Tracker nötig |
| Modulanzahl auf gleicher Gebäude-Grundfläche | Begrenzt (eine Seite) | Oft mehr (zwei Seiten) |
Ein wichtiger Punkt aus der Praxis: Der Jahresertrag sagt nicht alles. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist der Eigenverbrauchsanteil – also wie viel des selbst erzeugten Stroms direkt im Haushalt verbraucht wird, ohne Einspeisung ins Netz. Eine Ost-West-Anlage kann hier tatsächlich besser abschneiden, weil sie Strom liefert, wenn er gebraucht wird – morgens beim Frühstück, Homeoffice und Waschmaschine, abends beim Kochen und Fernsehen.
Wann ist Ost-West besser als Süd?
Es gibt Situationen, in denen eine Ost-West-Anlage der Südausrichtung überlegen ist – nicht trotz, sondern wegen ihres Ertragsprofils:
1. Mehr installierbare Leistung
Bei einem Satteldach mit Ost-West-Ausrichtung stehen oft beide Dachseiten zur Verfügung. Das bedeutet doppelt so viel Fläche wie bei einem einseitigen Süddach. Wenn die nutzbare Südseite zu klein ist, um die wirtschaftlich sinnvolle Mindestgröße zu erreichen, schafft Ost-West den nötigen Spielraum. Mit mehr installierten kWp steigt der absolute Jahresertrag – auch wenn der Ertrag pro kWp etwas geringer ist.
2. Eigenverbrauch ohne Mittagsspitze
Bei einem Süddach produziert die Anlage zur Mittagszeit am meisten Strom – oft mehr, als der Haushalt gerade verbraucht. Dieser Überschuss fließt ins Netz und wird mit der Einspeisevergütung vergütet, die derzeit unter dem Eigenverbrauchswert liegt. Eine Ost-West-Anlage verteilt die Produktion gleichmäßiger und deckt damit einen größeren Anteil des typischen Haushaltsprofils ab – ohne Speicher.
3. Homeoffice, Haushalt, E-Auto
Wer tagsüber zu Hause ist, morgens das E-Auto lädt oder die Waschmaschine anstellt, profitiert direkt vom Morgenpeak der Ost-Seite. Abends lässt sich der Restbedarf vom West-Dach abdecken. Für Haushalte mit aktiven Morgen- und Abendzeiten ist das Ost-West-Profil nahezu ideal.
SZP-Praxiszahlen: Was wir wirklich verbauen
Nach über 25 Jahren und mehr als 800 installierten Anlagen in Pulheim, Köln, Bonn und dem gesamten Rhein-Erft-Kreis haben wir ein klares Bild davon, was in der Region tatsächlich gebaut wird – und funktioniert.
SZP Praxiswerte – Ost-West-PV im Rhein-Erft-Kreis
Dass 60 % unserer Anlagen Ost-West-Ausrichtung haben, ist kein Zufall und kein Kompromiss. Es spiegelt die bauliche Realität in der Region wider: Viele Häuser in Pulheim und dem Rhein-Erft-Kreis sind so gebaut, dass beide Dachflächen nutzbar sind und die Ost-West-Konfiguration mehr Gesamtleistung erlaubt als ein einzelnes Süddach.
Speicher und Ost-West: Eine besonders gute Kombination
Ost-West-Anlagen und Stromspeicher ergänzen sich ausgezeichnet. Der Grund: Der gleichmäßige Tagesertrag lässt sich ideal in den Speicher schreiben und aus ihm heraus nutzen – ohne die extremen Mittags-Überschüsse einer Südanlage, die den Speicher in wenigen Stunden füllen und dann nichts mehr aufnehmen können.
kWh Speicher = kWp Anlagenleistung – bei einer 10-kWp-Anlage ist ein 10-kWh-Speicher ein guter Ausgangswert. Diese Faustregel gilt allgemein für PV-Anlagen, passt bei Ost-West-Profilen aber besonders gut: Der Speicher wird morgens durch die Ost-Seite geladen, liefert am Mittag, wenn beide Seiten wenig produzieren, und wird nachmittags durch die West-Seite wieder aufgefüllt.
Mit einem passend dimensionierten Speicher steigt der Eigenverbrauchsanteil von ca. 30 % (ohne Speicher) auf 70–80 %. Das bedeutet: Von 10.000 kWh selbst erzeugtem Solarstrom werden rund 7.000–8.000 kWh direkt im Haushalt verbraucht, anstatt ins Netz eingespeist zu werden. Bei einem Strombezugspreis von derzeit ca. 28–32 Ct/kWh ergibt das eine erhebliche Kostenersparnis gegenüber dem Netzbezug.
Wir empfehlen für Ost-West-Anlagen grundsätzlich einen bedarfsgerecht dimensionierten Speicher – gerne auch mit Blick auf zukünftige Verbrauchsänderungen wie E-Auto oder Wärmepumpe. Einen ausführlicheren Ratgeber zur Speichergröße finden Sie in unserem Ratgeber Stromspeicher-Dimensionierung.
Häufige Missverständnisse
"Mein Dach muss exakt nach Süden ausgerichtet sein, damit sich PV lohnt."
Falsch. Rund 60 % aller Anlagen, die SZP seit 2001 installiert hat, sind Ost-West ausgerichtet – und alle rechnen sich wirtschaftlich. Der Jahresertrag liegt zwar ca. 15–20 % unter einem reinen Süddach, aber das gleichmäßigere Ertragsprofil und der oft höhere Eigenverbrauch gleichen diesen Unterschied in der Praxis weitgehend aus.
"Bei Ost-West-Dach habe ich immer zu wenig Strom."
Nein. Ost-West-Anlagen liefern Strom morgens und abends – genau dann, wenn der Haushaltsbedarf typischerweise am höchsten ist. Im Vergleich zu einer Südanlage, die zur Mittagszeit produziert, wenn oft niemand zu Hause ist, kann die Ost-West-Konfiguration den nutzbaren Eigenverbrauch sogar erhöhen.
"Ost-West geht nur mit teurem Spezial-Wechselrichter."
Alle modernen Wechselrichter (z. B. SMA Sunny Tripower) haben zwei oder mehr MPP-Tracker und sind damit problemlos für Ost-West-Anlagen geeignet. Die Mehrkosten gegenüber einem Einzel-MPPT-Gerät sind minimal und werden durch den Mehrertrag durch getrennte Optimierung beider Seiten mehr als ausgeglichen.
"In NRW lohnt sich Solar sowieso kaum – zu wenig Sonne."
Der Rhein-Erft-Kreis und die Region Köln/Bonn haben mit ca. 1.000–1.050 kWh/m² Globalstrahlung pro Jahr ausreichend Sonnenertrag für wirtschaftliche PV-Anlagen. Zum Vergleich: München liegt bei ca. 1.200 kWh/m², der Unterschied beträgt also rund 15 % – deutlich weniger als viele annehmen. Über 800 installierte SZP-Anlagen in dieser Region belegen die wirtschaftliche Eignung.
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